Rosmarin – ein temperamentvoller Begleiter

Are you going to scaborough fair? In ihrem Lied besingen Simon and Garfunkel den aromatisch duftenden Rosmarin als Liebeskraut. Bereits in antiken Kulturen wurde er den Göttern, insbesondere Aphrodite, der Göttin der Liebe geweiht. Zur Stärkung des Geistes trugen die Studenten der Antike Rosmarinzweige zu Kränzen gebunden um den Kopf.

Ausgehend von religiösen Kulten fand er schließlich seinen Weg in die Küche. Dort flirtet er ungeniert mit dem Käse auf dem Brett, taucht seine Nase tief in den Gemüsetopf und tanzt einen sinnlichen Tango mit Lammkeule und Hühnerbrust.

Auf einen Rosmarinzweig aufgespiesste Cocktailtomaten, Zuchinistücke und schwarze Oliven machen sich mit etwas Olivenöl gut als veganer Grillgenuss. Auch in der süssen Küche findet er Verwendung. Mit Rosmarin aromatisierte Brombeermarmelade bekommt ein interessantes Aroma und auch im Apfelgelee macht er sich gut.

Ein Rezept, dass sehr tröstlich zu einer Tasse Earl Grey an kalten Tagen passt, ist der Rosmarin-Heidesand:

200g Butter, 160g Zucker, 1 Päckchen Bio Bourbon Vanillezucker, Schale von einer halben Bio Zitrone, 1 Prise Salz, und 1 Ei in einer Schüssel cremig rühren. Anschließend mittelfein gehackte Rosmarinnadeln von 2 Zweigen und 300g gesiebtes Mehl unter den Teig kneten. Eine Stunde kalt stellen, 2 Teigrollen daraus formen und in Scheiben schneiden. Die Kekse schließlich bei 180 °C 12-15 Minuten backen. Bon apetit!

Die Heimat des Rosmarin ist der Mittelmeerraum. Durch das milde Klima schafft er es jedoch inzwischen auch in unseren Breiten über so manchen Winter, wenn er etwas geschützt steht und bereichert mit seinem Charme die Kräutergärten der Region. Sein südländisches Temperament und der etwas harzige, intensive Geschmack mahnen zum sparsamen Umgang mit dem immergrünen Gesellen.

Auch in der Naturheilkunde genießt “ros marinus”, so sein lateinischer Name, ein hohes Ansehen. Sebastian Kneipp empfahl ihn als Magenmittel, da er die Verdauung fördert und Blähungen beseitigt. Dazu bereitet man einen Tee aus den Blättern zu oder setzt 100g Rosmarin in einer Flasche milden Weisswein an und lässt das Gemisch eine Woche ziehen. Das abgeseihte Getränk geniesst man in kleinen Schlucken nach einem üppigen Mahl – und in einem kleinen Glas. Manchmal ist weniger mehr bei so intensiver Gesellschaft.

Weitere Eigenschaften die das vielseitige Kraut mitbringt, sind seine Nerven stärkende und antiseptische Wirkung, sowie ein positiver Einfluss auf einen niederen Blutdruck.

Ein morgendliches Bad mit Rosmarinmilch (Rosmarinblätter in einem Leinensäckchen in einem Becher warmer Milch ziehen lassen und dann ins Wasser geben) weckt die Lebensgeister, macht munter und frisch. Die abendliche Anwendung von Rosmarin empfiehlt sich nur, wenn die Nacht zum Tag werden soll, denn schlaffördernd ist der muntere Geselle wahrlich nicht. Auch als Räucherwerk können die Zweige genutzt werden. Der Rauch des Rosmarin soll Krankenzimmer reinigen und die Luft von Bakterien und Pilzsporen befreien.

Das ätherische Öl ist sehr reizend und findet nur äußerlich Anwendung. In der Schwangerschaft sollte ganz auf Rosmarin verzichtet werden, da er Wehen fördernd wirkt.

Und nun viel Spass beim Ausprobieren des vielseitigen und herb-aromatischen Südländers.